Vorgestellt am 11. Juni 2015 auf dem Europäischen Kongress 'Sucht im Alter' in Luxemburg

DAWO / Lüsa – Unna, Deutschland

Das Landesmodellprojekt LÜSAdawo wurde 1997 gegründet und ist eine niedrigschwellige stationäre Wohn-Einrichtung der Wiedereingliederungshilfe in Unna, Deutschland. In dieser Einrichtung werden für mehrfach schwerst-geschädigte, chronisch drogenabhängige Menschenin unterschiedlich konzipierten Wohnhilfen 43stationäre Plätzeangeboten. Mehr als 70chronisch drogenabhängigen Menschen beiderlei Geschlechts wird substitutionsgestützer Wohn- und Lebensraum angeboten sowie Unterstützung („Ambulant Betreutes Wohnen“, Tagesstruktur-, und Beschäftigungsangebote) zur Wiedereingliederung.

LÜSA arbeitet mit chronisch mehrfachgeschädigten Drogenkonsumenten auf Basis von Akzeptanz, gegenseitiger und gemeinschaftlicher Verantwortung. So ist nach LÜSAs Grundannahmen jeder für das eigene Tun verantwortlich, haben Konsumenten dieselben Rechte und Pflichten wie andere Mitbürger und wird das Sozialverhalten für den Einzelnen und die Gruppe wichtiger als der Konsum gewertet (mit Ausnahme von Selbst – oder Fremdgefährdung).

Mit Hilfe von Behandlung, Beschäftigung und Betreuung konnte in den letzten Jahren mehr als 300 Betroffenen aus dem Großraum Dortmund/Unna geholfen werden. Gleichzeitig stellten die Mitarbeiter fest, dass es neuer (sub)kultur-sensibler Hilfeangebote mit erfüllbaren Anforderungen bedarf, die ein Zuhause & (Wieder-)Verwurzelung für Menschen bieten, welche keine Reintegrationsperspektive mehr aufbauen können. Um dieses Ziel zu erreichen benötigte man sichere und dauerhafte Lebensräume, welche Lebensqualität ermöglicht, Krankheitsverläufe verzögert, Selbstbestimmung garantiert und biografischen Erfahrungen gerecht wird. Mit anderen Worten: ein Ort mit würdevollen Wohn- und Sterberäumen.

Nach diesen Anforderungen und Wünschen wurde die jüngste Wohneinrichtung von LÜSA konzipiert. In Dezember 2014 wurde die Dauerwohneinrichtung, kurz DAWO eröffnet. Mit 15 stationären, barrierefreien Einzelzimmern mit eigenem Bad und Terrassenzugang im Rahmen eines mit Pflegesatz finanzierten Wohnheims wurde das erste 'Dauerwohnheim für Junkies' in Westfalen geschaffen. Ein interdisziplinäres gleichberechtigtes Team, bestehend aus Sozialarbeit, Kranken-, Altenpflege, Ergotherapie, Heil- und Erziehungspflege und auch stabilen Ex-Gebraucher kümmert sich um die Bewohner. Es gibt regelmäßige Netzwerksitzungen der beteiligten Hilfsakteure (gesetzliche Betreuer, ambulante Pflege), Förderung und Einsatz von Selbstkontrollstrategien und systematische Fort und Weiterbildungen zur Sicherung der Qualität des Angebotes.

Den Bewohnern werden sinnhafte und aktivierende Tagesstruktur-Angebote gemacht. Außerdem stehen ihnen eigene Kochmöglichkeiten zur Verfügung für 'Lebensraum-nahe' Ernährung. Im Haus finden Substitutionsbehandlung, wöchentliche Arzt Sprechstunde, monatliche Psychiater Sprechstunde, Fußpflege, Seelsorge und Pflegeleistungen bei Pflegestufe 1 & 2 statt. Ein täglich eingesetzter Shuttlebus ermöglicht es den Bewohnern, auch das Angebot des etwas entfernten Hauses LÜSA zu nutzen.

http://www.luesa.de/


Villa Armand – Esch-sur-Alzette, Luxemburg

Villa Armand ist eine durch die Fondation Jugend- an Drogenhëllef angemietete Stadtvilla im Zentrum von Esch-sur-Alzette, der zweitgrößten Stadt Luxemburgs. Seit Beginn 2014 bietet sie fünf Männern ab dem 40sarmandten Lebensjahr mit unproblematischem Drogenkonsum, Vereinsamungsgefahr und gesichertem Einkommen einen Platz in einer Wohngemeinschaft (WG).

Die Bewohner bekommen einen festen Mietvertrag, können Gebrauch machen von freiwilliger Geldverwaltung sowie teilnehmen an den wöchentlichen Hausversammlungen. Die Wohngemeinschaft funktioniert im Prinzip selbstbestimmt, zur Unterstützung ist täglich ein Mitarbeiter des Betreuten Wohnen (BeWo) Teams zu bestimmten Zeiten im Haus präsent. Auch bekommt jeder Bewohner eine Referenzperson des BeWo Teams als Ansprechperson / persönlichen Begleiter. Es wird ein minimales Freizeitangebot und gemeinsame Aktivitäten offeriert, zum Beispiel gemeinsames Abendessen oder Barbecue.

Da die Bewohner aktive Konsumenten sind, ist der Gebrauch von illegalen Drogen in der Privatsphäre gestattet insoweit er nicht die Gemeinschaft stört oder gemeinsame Aktivitäten beeinträchtigt. Ausschlusskriterium ist demnach problematisches Sozialverhalten, welches den Gruppenverband gefährdet.

Die Villa Armand ist als Pilotprojekt bisher erfolgreich gelaufen. In eineinhalb Jahren musste nur ein Bewohner das Haus gezwungen verlassen. Die übrigen Bewohner erleben die Wohngemeinschaft als durchwegs positiv. Durch den geringen Zeitaufwand sieht die Fondation Jugend- an Drogenhëllef dies als ein reproduzierbares Projekt. Demgegenüber stellt sich die Frage was passiert, wenn sich der Gesundheitszustand der Bewohner mit der Zeit verschlechtert – wie sollte Pflege oder ärztliche Hilfe in diesem Fall organisiert werden, ohne dass der Bewohner das Haus verlassen muss? Außerdem stellt sich die Frage nach der geschlechtsspezifischen Verteilung. Sollte in Zukunft eine gemischte WG oder eine reine Frauen WG eingerichtet werden?

http://www.jdh.lu/

Betreutes Wohnen City – Stadt Zürich, Schweiz

Seit 2006 gibt es in Zürich das “Betreute Wohnen City” kurz: BeWo City als erstes 'Junkie-Altersheim' für 19 chronisch drogenabhängige, sozial und gesundheitlich stark beeinträchtigte Personen. Das BeWo City ist Teil der Sozialen Einrichtungen und Betriebe der Stadt Zürich und bietet heutbewoe an zwei Standorten 47 Rollstuhlzugängliche möblierte Einzelzimmer mit Gemeinschaftsraum, Kochgelegenheit, Duschen und WC auf der Etage.

Die Bewohner sollten über eine minimale Selbständigkeit im Wohnen verfügen - Personen die intensive medizinische oder psychiatrische Pflege benötigen, können nicht aufgenommen werden. Die Aufenthaltsdauer richtet sich demnach auch nach der Selbständigkeit der Bewohnerin oder des Bewohners. Aufgenommen werden Menschen, die chronische psychische und körperliche Leiden aufweisen, nicht in der Lage sind, sich in einen regulären Heimbetrieb einzufügen, zur Abstinenz nicht willens oder fähig sind, in anderen Wohnangeboten nicht angemessen betreut werden können und ein geregeltes Einkommen haben.

Die Einrichtungen werden täglich rund um die Uhr im Schichtdienst von Fachpersonal betreut. Sie bieten medizinische und psychische Unterstützung, erschließen externe Angebote zur Verbesserung der Situation und intervenieren bei Krisen. Die Mitarbeiter haben alle eine psychiatrische Fachausbildung, zusätzlich gibt es Mitarbeiter in der Hauswirtschaft und einen Koch. Es wird ein gemeinsames Frühstück und Abendessen angeboten. Morgens, abends und nachts erfolgt eine kontrollierte Medikamentenabgabe, welche eine Apotheke vorbereitet und liefert. Ein Spitex (Pflegedienst) sorgt für individuelle Körperpflege.

Die zwei Standorte des BeWo City haben beide ihren eigenen Schwerpunkt bezüglich Zielgruppe. An einem Standort wohnen verschiedentlich Substanzabhängige und psychisch erkrankte Menschen. Am anderen Standort wohnen Alkoho abhängige und psychisch erkrankte Menschen. Der Konsum von Drogen und Alkohol ist toleriert, es gibt jedoch keine Spritzenabgabe. Hierfür müssen die Bewohner zu den Kontakt und Anlaufstellen der Stadt dislozieren. Ebenso findet keine Taschengeldauszahlung im Haus statt.

Um eine optimale Versorgung gewährleisten zu können, arbeitet das BeWo City eng zusammen mit der Psychiatrischen Universitätsklink des Kantons Zürich, dem psychiatrischen Dienst, privaten und öffentlichen Fachstellen der Sucht und Drogenhilfe und anderen Fachstellen aus dem Gesundheitswesen.

https://www.stadt-zuerich.ch/sd/de/index.html

Buddyzorg – Amsterdam, Niederlande

Buddyzorg vermittelt Ehrenamtliche (Freiwillige) an (ehemalige) Drogengebraucher und (ehemalige) Obdachlose. Oft leiden diese Menschen unter schweren Gesundheitsproblemen, körperlichen oder psychischbuddyen Ursprungs.

Für die Dauer eines Jahres trifft sich der Freiwillige mit dem Teilnehmer einmal wöchentlich für ein paar Stunden. Der Buddy (Freiwilliger) spielt dabei eine wichtige Rolle im Leben eines Teilnehmers, er sorgt nämlich für den nötigen sozialen Kontakt. Zusammen teilen sie schöne und traurige Momente, unternehmen Ausflüge oder arbeiten an kleinen praktischen Dingen, je nach gegenseitigem Bedarf. Dabei unterstützt der Buddy, motiviert und kann den Teilnehmer für einen Moment seine Probleme weniger 'schwer' erfahren lassen.

Eine Geschichte aus der Buddyzorg 

Dennis ist seit zehn Jahren Teilnehmer bei De Regenboog Groep. Er hatte inzwischen vier verschiedenen Buddys. Diese waren ihm alle auf ihre eigene Weise bedeutungsvoll. Seit einiger Zeit ist Esther sein Buddy: Dank meines Buddys komme ich öfter raus aus meiner Wohnung und unternehme auch mehr als früher. Mit Esther mache ich alles Mögliche: Wir gehen ins Kino, ins Café, einkaufen oder brunchen im Westerpark. Mit meinem Invalidenauto durchkreuzen wir die ganze Stadt. Das macht uns viel Spaß. Mit Esther kann ich über alles reden, was mich beschäftigt. Sie denkt mit und gibt mir guten Rat. Ich bin eigentlich sehr impulsiv und manchmal auch explosiv, Sie ist dagegen viel diplomatischer. Darin ergänzen wir uns sehr gut.

http://www.deregenboog.org/buddyzorg